Interne Dokumente zeigen, wie illegale Online-Casinos an Curaçao-Lizenzen gelangen

30. September 2026

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Interne Dokumente zeigen, wie illegale Online-Casinos an Curaçao-Lizenzen gelangen
coco HACHE / Pexels

Die IT-Sicherheitsexpertin Lilith Wittmann hatte nach eigenen Angaben rund neun Monate lang Zugang zu internen Systemen der Curaçao Gaming Authority. Mit Journalisten von NDR, NRK, SVT und Follow the Money wertete sie Behörden- und Handelsregisterdokumente aus. Die Recherche „Casino Secrets“ zeigt, wie illegale Online-Casinos über eine Curaçao-Lizenz verfügen und wer dahintersteht, wie ISA-GUIDE berichtet.

Rund 800 Eigentümer hinter 650 Lizenzen

Eine Auswertung von Follow the Money identifiziert rund 800 Eigentümer hinter knapp 650 in Curaçao lizenzierten Glücksspielfirmen, die zusammen Tausende Glücksspielseiten betreiben. Den Journalisten zufolge zeigen die Dokumente auch Fälle, in denen Lizenzen erteilt wurden, obwohl Fragen zu Eigentümerstrukturen oder möglichen Zielmärkten offen blieben.

Daraus folgt nicht, dass jedes dieser Unternehmen in jedem Land illegal arbeitet. Die Curaçao-Behörde erklärte gegenüber Follow the Money, die Glücksspielregulierung befinde sich in einer Übergangsphase, in der die Firmen die neuen Anforderungen schrittweise erfüllen müssten. Zudem sei schwer abzugrenzen, ob ein Anbieter ein Land gezielt anspricht oder Kunden von dort nur duldet.

Eine Curaçao-Lizenz reicht in Deutschland nicht

Eine Curaçao-Lizenz erlaubt kein Glücksspielangebot in Deutschland. Dafür ist eine Genehmigung der zuständigen deutschen Behörde nötig. Die offizielle Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) führt die Anbieter mit einer solchen Erlaubnis.

Im Zentrum der deutschen Recherche steht Platincasino. Den ausgewerteten Dokumenten zufolge wurden Marke, Domains und Spielerdaten 2023 von einer maltesischen Gesellschaft auf die Latiform B.V. in Curaçao übertragen. Der Anwalt des in der Recherche genannten Unternehmers Thomas Kalman weist die Vorwürfe gegen seinen Mandanten als haltlos zurück.

Wittmann schätzt, dass in Deutschland 2023 bis 2025 rund 250 Millionen Euro Glücksspielsteuer nicht abgeführt worden sein könnten. Die Zahl beruht auf Annahmen zum Anteil deutscher Spieler und zum Einsatzvolumen. Es handelt sich um eine journalistische Schätzung; ein amtlicher Steuerbescheid liegt nicht vor.

Verfahren in Frankfurt und Vorwürfe gegen Softswiss

Anfang September wurde ein Verfahren gegen eine Gruppe bekannt, der illegales Online-Glücksspiel und nicht vollständig gezahlte Glücksspielsteuer vorgeworfen wird. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt wurden zwischen Juli 2021 und Ende 2023 Einsätze von rund 5,86 Milliarden Euro abgewickelt, der geschätzte Steuerschaden allein für 2024 liegt bei 77,6 Millionen Euro. Diese Zahl stammt aus dem Ermittlungsverfahren und ist nicht mit Wittmanns Schätzung von 250 Millionen Euro gleichzusetzen. Die Beschuldigten gelten als unschuldig. Die GGL begrüßte den Erfolg der Ermittlungen und warnte vor illegalen Glücksspielseiten wie Platincasino, ohne zu benennen, wer festgenommen wurde oder welche Seiten Gegenstand des Verfahrens sind.

Ein weiterer Teil der Recherche betrifft Softswiss und dessen Verbindungen zu Casino-Betreibern. Wittmann verweist auf Finanzierungen, personelle Überschneidungen und Geschäftsbeziehungen. Bereits 2024 hatte der Bayerische Rundfunk über mögliche Verbindungen zu in Deutschland nicht lizenzierten Plattformen berichtet. Softswiss bestreitet die Deutung. In einer Stellungnahme gegenüber dev.by vom 23. September erklärte das Unternehmen, Informationen seien aus dem Zusammenhang gerissen und falsch interpretiert worden; es prüfe die Veröffentlichungen mit juristischer Unterstützung.

Wie groß der Schwarzmarkt ist, bleibt umstritten

Eine Analyse der Campaign for Fairer Gambling kommt für 2025 auf 91,6 Milliarden Euro Bruttospielertrag durch nicht regulierte Anbieter in den 27 EU-Staaten, gegenüber 36,5 Milliarden Euro bei regulierten Anbietern. Das entspräche 72 Prozent des gesamten Online-Glücksspielmarkts von 128 Milliarden Euro, schreibt iGB.

Andere Erhebungen liegen niedriger. Eine Studie von Regulus Partners und Helios für Euromat beziffert den illegalen Online-Markt Europas auf 12 Milliarden Euro oder 25 Prozent, H2 Gambling Capital auf etwa 18 Milliarden Euro (27 Prozent). Die deutsche Aufsichtsbehörde nennt für 2024 nicht lizenzierte Erlöse von 547 Millionen Euro, die niederländische Regulierungsbehörde für das erste Halbjahr 2025 von 617 Millionen Euro. Die European Gaming and Betting Association (EGBA) ordnet den Bericht am oberen Ende einer breiten Spanne ein: Der illegale Markt sei schwer zu messen, andere Studien gingen von etwa einem Viertel aus, so ein Sprecher.

Ein Teil der Differenz liegt in der Methode: Die Autoren rechnen Webtraffic über einen Wert je Besuch in Erlöse um. Die britische Glücksspielkommission hat an trafficbasierten Verfahren allgemein Schwächen benannt, darunter fehlende Einblicke in die App-Nutzung illegaler Seiten.

Derek Webb von der Campaign for Fairer Gambling sieht das Kernproblem in fehlender Koordination im gesamten Umfeld: Affiliates, Werbeplattformen, Zahlungsdienstleister, App-Stores, Suchmaschinen und Techniklieferanten. In den Niederlanden hat der Branchenverband VNLOK rechtliche Schritte gegen Meta eingeleitet, weil es Anzeigen für illegale Glücksspielseiten verbreitet haben soll, auch nach Hinweisen. Borut Petek von Super Technologies und im EGBA-Vorstand warnt dagegen vor höheren Steuern für lizenzierte Anbieter, weil diese das illegale Angebot attraktiver machten.

Wie lange die Übergangsphase in Curaçao dauert, geht aus den bisherigen Berichten nicht hervor. Das Frankfurter Verfahren läuft. Ob ein Angebot in Deutschland erlaubt ist, lässt sich über die offizielle Whitelist der GGL prüfen. Ein Lizenzsiegel aus dem Ausland genügt dafür nicht.

Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI aus den zitierten Quellen erstellt und vor der Veröffentlichung automatisch geprüft.

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